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Recyclingfähigkeit: PPWR: Welche Verpackungenhaben Zukunft?

Die neue EU-Verpackungsverordnung erhöht den Druck auf Unternehmen – und das ist gut so. Denn sie zwingt Hersteller, Marken und Handel dazu, Verpackungen vom Ende her zu denken: Was lässt sich wirklich recyceln? Was passt in bestehende Stoffströme? Und welche Lösung ist regulatorisch belastbar?Genau hier kann Papier seine Stärken auszuspielen.


Ein Kommentar von Alexander Rauer, Head of Business Development Functional Barrier Paper bei Koehler:

Die neue Verpackungsverordnung PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation) bringt die Verpackungsindustrie zum Umdenken: Es geht nicht länger nur um Kosten-, Marketing- oder Prozessgesichtspunkte: Kreislauffähigkeit wird ein entscheidender Faktor.

Genau an diesem Punkt wird es für viele Unternehmen anspruchsvoll. Denn viele flexible Verpackungen sind über Jahre immer komplexer geworden: verschiedene Materialien, mehrere Schichten, hohe technische Performance – aber sobald es um Kreislauffähigkeit und regulatorische Sicherheit geht, wird diese Komplexität zum Nachteil.

Design for Recycling

Die PPWR schreibt vor, dass alle in der EU in Verkehr gebrachten Verpackungen bis 2030 wiederverwertbar sein müssen. Es werden verschiedene Kategorien der Recyclingfähigkeit festgelegt, dabei gilt ein Mindestwert von 70 Prozent für die Wiederverwertbarkeit, damit eine Verpackung als „Design for Recycling“ (DfR) gilt.

Jeder, der Verpackungen auf den Markt bringt, muss sich jetzt darauf vorbereiten und planen, auf recycelbare Verpackungslösungen umzusteigen. Aus meiner Sicht gibt es dafür eine klare Richtung: weniger Materialmix. Flexible Verpackungspapiere können dafür ein entscheidender Baustein sein.

Person im Anzug hält bunte Snackverpackungen über einem Korb mit weiteren Lebensmittelverpackungen auf einem Tisch
Jeder, der Verpackungen auf den Markt bringt, muss sich jetzt auf die PPWR vorbereiten.
Portait von Alexander Rauer

Jeder, der Verpackungen auf den Markt bringt, sollte sich heute schon darauf vorbereiten und planen, auf recycelbare Verpackungslösungen umzusteigen.

Alexander Rauer, Head of Business Development Functional Barrier Paper

Papier als Alternative

Für Papier gibt es in Europa etablierte Sammel- und Recyclingstrukturen. Die Recyclingquote lag 2024 bei über 84 Prozent, Papierfasern können bis zu 25-mal wiederverwendet werden. Für Unternehmen, die ihre Verpackungsportfolios unter PPWR-Bedingungen zukunftsfähig aufstellen wollen, sind das starke Argumente: Wer auf Materialien setzt, die in der Realität bereits in großem Maßstab erfasst und recycelt werden, reduziert Unsicherheit.

Dabei ist klar: Flexible Verpackungen müssen Produkte schützen können, mit Barrieren gegen Sauerstoff, Fett, Wasserdampf oder Mineralöl. Sie müssen siegelfähig sein und auf vorhandenen Anlagen laufen. Bei unseren flexiblen Verpackungspapieren lassen sich die Barriereeigenschaften je nach Anwendung kombinieren. Und viele unserer Kunden haben bewiesen, dass die Umstellung auf Papier kaum Anpassungen erfordert.

Regulatorisch sicher

Die eigentliche Frage lautet also nicht mehr, ob papierbasierte flexible Verpackungen eine Alternative zu Kunststoff sein können. Das sind sie längst, wie der Blick ins Supermarktregal zeigt. Die wichtigere Frage ist: Wie schnell können Unternehmen ihre Verpackungen so vereinfachen, dass sie kreislauffähig und regulatorisch sicher werden?

Fallstudie: Papierrecycling und PPWR

Ein direkter Vergleich von zwei Nudelverpackungen zeigt, wie Barrierepapiere eine zukunftssichere Option für Converter, Verpacker und Brand Owner sein können, um die Vorgaben der PPWR zu erfüllen.

Schlichter weißer Papierbeutel für Penne-Nudeln mit transparentem Sichtfenster und diskreter 500g-Angabe im unteren Bereich

Verpackung 1:
Nudelbeutel

  • maschinenglattes Kraftpapier
  • Grammatur von 60 g/m²
  • extrudiert mit Polypropylen
  • Dicke von 30 Mikron (27,3g/m²)
  • Gesamtmaterialgewicht von 87,3g/m²
Recycling-Code C/PAP 81: Verbundverpackungen, bei denen das Hauptmaterial Papier ist. In dieser Anwendung wird es mit extrudiertem Polypropylen kombiniert.
Gelber Papierbeutel für Fusilli-Nudeln mit italienischem Markenlogo, Produktfoto und genauen Angaben zur Bioqualität

Verpackung 2:
Beutel mit Nudeln der Marke IRIS

  • Koehler NexPlus® Seal Pure
  • Grammatur von 80 g/m²
  • Der Dispersionslack, der die Siegelfunktion übernimmt, ist wasserbasiert und hat ein Auftragsgewicht von 4 g/m².
  • Der Auftrag des Dispersionslacks erfolgt auf einer Papierstreichmaschine.

Es hängt von dem Land oder der Gemeinde ab, wie der Verbraucher die Verpackung entsorgen muss. Die Vorschriften sind in Europa bzw. weltweit unterschiedlich und es können auch unterschiedliche EPR-Gebühren (Extended Producer Responsibility) anfallen.

Recycling-Code PAP 22 (Papier): Das Material ist Papier und kann zusammen mit Büchern und Zeitungen recycelt werden.

Prüfverfahren:

CEPI-Protokoll zur Bewertung der Wiederverwertbarkeit (Teil I - Recyclingfabrik mit konventionellem Verfahren)

Die CEPI (der Verband der europäischen Papierindustrie) und 4Evergreen, ein branchenübergreifender Zusammenschluss von über 100 Mitgliedern, die den gesamten Lebenszyklus von Verpackungen auf Faserbasis repräsentieren, haben dieses Prüfverfahren für die Wiederverwertbarkeit von Standardverfahren für Papierrecyclingfabriken entwickelt.

Das Ergebnis ist eine Punktzahl, die von einer ganzen Reihe von Parametern abhängt: beispielsweise Siebertrag, Blatthaftung, DCS (Dissolved and Colloidal Substances, gelöste und kolloidale Stoffe) und optische Verunreinigungen. Da DCS bei diesen Materialien nicht relevant sind, kann der nach dem CEPI-Protokoll bewertete Siebertrag (TSY: Total Screening Yield) verwendet werden, um das Material nach den Recycling-Kategorien des PPWR einzustufen. Der Gesamtanteil des Rejekts (TSR: Total Screening Reject) und der Siebertrag jeder Verpackung werden dabei festgehalten.

Mehr zur Prüfmethode

Gleichung 2

TSR = CR + FR * a
wobei
TSR die Gesamt-Ausschussquote (%);
CR die Grob-Ausschussquote (%);
FR die Fein-Ausschussquote (%);
a der Korrekturfaktor ist.

Gleichung 1

TSY = 100% - TSR
wobei
TSY der Gesamt-Siebertrag;
TSR die Gesamt-Ausschussquote ist.


Ergebnis

  1. Verpackung 1 (Verbundmaterial)
    TSY: 63,7 %
    → entspricht nach dem CEPI-Standard mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht den PPWR-Anforderungen und könnte daher ab 2030 nicht mehr auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht werden.

  2. Verpackung 2 (Koehler NexPlus® Seal Pure)
    TSY: 92,8 %
    → gilt damit in einer Recyclinganlage mit konventionellem Verfahren als recycelbar. Mit dieser Verwertungsquote ist sie PPWR-konform.

Grobrejekt im Vergleich

Die Grobausschussquote (CR-Rate) ist definiert als prozentualer Gewichtsanteil der durch Grobsiebung entfernten Verpackungen und trocken entfernten Bestandteile.

  1. Verpackung 1: CR-Rate 36 %

  2. Verpackung 2: CR-Rate 6,8 %

Beispiel für die Einsparung von Kunststoff

Annahme: Ein Hersteller verwendet 300 Tonnen Verpackungen für Nudeln im Jahr.

Wenn er Koehler NexPlus® Seal Pure 80 statt der Verbundverpackung nutzt, spart er etwa 85 Tonnen Kunststoff pro Jahr.

Das bedeutet eine erhebliche Verringerung des Abfalls an fossilen Materialien. Für die Umwelt ist es also umso besser, je früher die PPWR in Kraft tritt.

Fazit

Der Vergleich zweier Nudelverpackungen gibt einen Überblick darüber, wie Barrierepapiere eine zukunftssichere Option für Converter, Verpacker und Brand Owner sein können, um die Vorgaben der PPWR zu erfüllen.

Die Recyclingfähigkeit von Papier ist ausgereift, und die Infrastruktur ist in großem Umfang vorhanden.

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